Blick nach oben

Ich kann mich so gut erinnern. Als ich in die erste Klasse der Hauptschule gekommen bin, waren die Schüler der 4. Klasse Titanen und Riesen. Ich hatte großen Respekt vor diesen Kolossen. Dann bin ich ein paar Jahre später selber in der 4. Klasse, aber ich habe mich gar nicht so groß gefühlt. In der Mittelschule war es dann das Gleiche. Die “Erwachsenen” Maturanten, #omg, aber als ich selber Matura gemacht habe, empfand ich mich immer noch als recht ein Kindskopf. Dann in der Landeshauptstadt. Das Gleiche. Dann in der wirklich großen Stadt. Das Gleiche. Es hat sich schon etwas geändert, nämlich, dass jetzt viel mehr “Kinder” um mich herum sind. Aber ich selber? Ich fühle mich überhaupt nicht gereift, gewachsen, geläutert. Und dann habe ich heute Fatoni gehört, der bringt es so wunderbar auf den Punkt: Mike.

Chaos

Sonntag ist ein wunderbarer Tag, um Dampf abzulassen. Da sitzt man nämlich trotzdem vor dem Computer. Halt nicht vor Excel, sondern vor Spotify, dem Blog, Twitter, Flickr und all den anderen Unterhaltungsprogrammen. Und etwas daran gefällt mir nicht. Es ist der Umstand, dass mein Wohnzimmer mit Systemen von anderen Menschen eingerichtet wird. Das ist nicht mehr IKEA mit pfiffigem Design und Hang zum Basteln. Das sind Menschen, die ihre Intelligenz dazu nützen, Dinge zu erfinden, die das Leben leichter machen. Lieder aber nicht meins. Weil ich werde mit Systemen konfrontiert, die es mir abnehmen sollen, meine Sachen zu sortieren. Das mag ich nicht. Wieso soll ich mir von verwöhnten Garagen-Kids vorschreiben lassen, wie ich meine Räume einzurichten habe? Sie schwärmen mir vor, dass ich nichts mehr “machen” müsste. Aber das “Machen” ist meine größte Freude! Sie nehmen mir meinen eigenen Apparat und zwingen mich zum Chaos von Daten. Emails werden nicht mehr in Ordner abgelegt, sondern nur noch archiviert – Google wird sie schon wieder finden. Spotify lässt mich zwar Playlists ablegen, aber wenn ich meine Alben strukturiert suchen und finden möchte, bin ich trotzdem hilflos deren Goodwill ausgeliefert. Tendenziell soll immer wieder Neues nach oben und nichts mehr als einmal angehört werden. Ihre Playlists schlagen mir ständig neue coole Tracks vor und mein Archiv wird zu einer Sandwüste. Flickr vernichtet mein Tagging, Facebook ist per se ein Datenfriedhof. Wenn ich die Hoheit über meine Ordnungssysteme abgebe, begebe ich mich in Abhängigkeit der neuen Ordnungshüter. Das will ich nicht. Ich habe meine eigene, viel effizientere Idee von Ablage. Ich brauche hier keine Hilfe von Halbgöttern, die immer auf Mama gezählt haben.

1 AM

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Das Eindrucksvollste des spannenden heutigen Tages: Eine Führung rund um Deutschlands letzten bzw. ersten Mittelwellentransmitter. Zur Erklärung: Es gibt im gesamten deutschprachigen Raum – bis auf ebendiesen Transmitter für Radio Revolten – keinen einzigen weiteren Mittelwellensender mehr. Dieser Transmitter wurde an der Uni Halle/Saale extra für das Festival neu gebaut. Das Feld ist frei. Komplett.

Mariä Himmelfahrt

Verlängertes Wochenende. Über das Waldviertel (Ottensteiner Stausee! Weitra!) ins Mühlviertel nach St. Stefan am Walde. Wunderbarer Ausblick sowohl in den Süden Richtung Alpen als auch in den Norden Richtung Moldau. Kein Wunder, dass Adalbert Stifter da ganz Kirre geworden ist. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß: Tranken heiliges Wasser, sahen Diamanten, Heidelbeeren und Pilze. Retour über Krumau, Budweis, Nové Hrady und das Sole-Felsen-Bad in Gmünd. Eine sehr gechillte Heimreise mit James Blake in den Lautsprechern.

So What?

Ich werde ab heute meine Social Media Kanäle (sprich Twitter und Facebook) nur noch über Roboter bespielen lassen. Gestern habe ich gelesen, dass zu 97 %iger Wahrscheinlichkeit Buchhalter durch Roboter ersetzt werden. Hier gehe ich mit gutem Beispiel voran! Nachdem Twitter & Facebook gleichermaßen vermehrt versuchen, mir kommerzielle Inhalte unterzuschieben und mir damit den Spaß am Content meiner FreundInnen verwehren, werde ich beide Kanäle nur noch als Distributionskanäle nutzen, aber die Timeline an sich nicht mehr anrühren. Der gute alte Blog leistet für werbefreie elektronische Kommunikation immer noch alles, was man sich wünschen könnte und die Meinung anderer Menschen, naja, auf die habe ich niemals viel wert gelegt. Im Übrigen bin ich immer noch froh, dass ich in diesen so aufgeregten Zeiten wieder Brian Eno für mich wiederentdeckt habe. Dementsprechend ist der Track “Discreet Music” auf dem gleichnamigen Album für mich ein würdiger “Track des Tages”.