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Zuckerbergs Motivation hat nichts mit dieser Sorte von Feld-,Wald- und Wiesenpsychologie zu tun. Er tut es, weil er es tun kann und Rechtfertigungen à la “Verbundenheit” und “Gemeinschaft” sind nachträgliche Rationalisierungen. Sein Antrieb ist einfacher und grundlegender. Deshalb ist der Wachstumstrieb so wesentlich für den Konzern, der in vielerlei Hinsicht mehr mit einem Virus als einem Unternehmen gemein hat. Wachsen und Vervielfältigen und Profitieren. Weshalb? Es gibt kein Weshalb. (Nur ein) deshalb.

via DLF – Essay und Diskurs

Werkzeug

Neue Technologien im Wahlkampf:

Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt, mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit. Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.

via dasmagazin.ch

Nachtrag (7. Dez. 2016)

Der oben angesprochene Artikel sorgt für Aufregung. Der BR hat aus diesem Grund noch ein Interview mit den beiden Autoren des Artikels veröffentlicht. Und hier zur Klarstellung:

Die ganzen Verschwörungstheoretiker, die auf unseren Text so abfahren, irren genauso wie all die Leute, die behaupten, wir hätten da jetzt eine Verschwörungstheorie in den Raum gestellt. Wir haben lediglich das neuste Verfahren, das es in der Polit-Marketingwelt gibt, vorgestellt. Und das zielt darauf ab, die Menschen in einen gewissen Diskussions- und Informationsraum einzupacken und für sich zu gewinnen. Aber die große Gretchenfrage bleibt dieselbe: Kann man Menschen mit Informationen manipulieren? Das können wir nicht beantworten. Wir haben die Methode aufgezeigt, die diese Firma gegen Geld anbietet, und zwar vor allem rechten Parteien.

Referenz

Adrian Chen gibt im New Yorker einen interessanten Hinweis darauf, dass man die Berichte über die “russischen Falschmeldungen” richtig einordnen können muss:

By overplaying the influence of Russia’s disinformation campaign, the report also plays directly into the hands of the Russian propagandists that it hopes to combat. “Think about RT and Sputnik’s goals, how they report their success to Putin,” Vasily Gatov, a Russian media analyst and a visiting fellow at the University of Southern California’s Annenberg School for Communication and Journalism, told me. “Their success is that they have penetrated their agenda, that they have become an issue for the West. And this is exactly what happened.”

Ein interessanter Blickwinkel.

Hass vs. Angst

Das Gespenst der rohen Sprache geht um. Interessant an meiner Timeline in Sozialen Medien ist aber der Umstand, dass ich Unmengen an Aufforderungen lese, sich zu mäßigen, ich aber nie bis selten tatsächlich auf Hasspostings stoße. Damit will ich diese nicht verharmlosen, ich will erstens nur feststellen, dass ich es mir in meiner Blase gemütlich eingerichtet habe. Das erlaubt es mir wohl auch, einen Schritt zurückzutreten und mir zu betrachen, was auf meiner Seite der Debatte so passiert.

Hier fällt mir nämlich auf, dass sich ein Zustand der Vergangenheit zurück gewünscht wird. Die Zeit, in der es noch gemäßigt und zivilisiert zuging. Ich kann mich gut an diese Zeit erinnern. Ich bezweifle, dass diese Zeit friedlicher gewesen ist. Ich weiß, dass es in dieser Zeit genauso viele Trolle gegeben hat. Ich kann mich an diese gut erinnern. Es war nur anders sanktioniert. Die Menschen hatte mehr Angst vor Konsequenzen ihres Handelns.

Hier möchte ich einhaken. Ich wünsche mir diese Zeiten nämlich nicht zurück. Wenn die Menschen sich trauen, in der Öffentlichkeit das zu sagen, was sie auch denken, finde ich das prinzipiell gut. Es ist schade, dass es so viel Dummheit gibt, die nun publiziert wird. Aber diese Dummheit zu unterdrücken ist nicht der richtige Wege, um diese zu verhindern. Es ist mir lieber ich weiß, wieviel Dummheit um mich herum existiert. Ich will nicht raten, vermuten müssen. Jetzt wissen wir es. Jetzt können wir ansetzen.

Und damit können wir endlich aufhören, alles befrieden zu wollen. Der Hass muss Gegenwind erfahren, bestärkt wird er ja durch Widerspruchsfreiheit. Diese verleitet dazu, zu  meinen, man hätte Recht mit der eigenen rohen Aussage. Die Sanktion muss auf eine andere Ebene gehoben werden. Es geht nicht mehr um den moralischen Zeigefinger durch strenge Autorität die wohl zwanzig Jahre zuvor geherrscht hat. Nutzen wir die anti-autoritäre Freiheit der Gegenwart dazu, endlich auch in Öffentlichkeit zu streiten und zu widersprechen und zeigen den gefühlt 80% Dummköpfen in diesem Land, dass 90 % gescheite, empathische Inländer auf sie warten.