Readers Digest - Sueddeutsche Zeitung - Mi, 03. März 2010
Das Lesen von Tageszeitungen ist mitunter spannender als das Schmökern in Krimiromanen. Die Realität bzw. das, was wir von ihr halten, schafft gegenwärtig soviele spannende Szenen, dass ich richtig süchtig nach einer täglichen Fortsetzung werde. Poesie / Thrill des Alltags sozusagen. Was hat das Studium der SZ heute gebracht? Viel!
Wahnsinn, dass wir nun auf Boden Europa’s auch der Agrar-Gen-Industrie ausgeliefert sind [link] und entsprechend kritisch daher auch das Kommentar dazu von Daniela Kuhr [link], die v.a. den Mangel an Vertrauen zu den jeweiligen Entscheidungsträgern ins Feld führt. Ja stimmt. Zuviel Humbug aus der Vergangenheit hat Misstrauen geweckt. Industriefreundlichkeit kann teuer zu stehen kommen. Richtig amüsant hingegen ist das Kommentar von Claus Hulverscheidt [link] zur Schelte von BDI-Präsident Keitel an der Arbeit der schwarz/gelben deutschen Bundesregierung. Hier wird man ja richtig hämisch. Eindringlich ist der Appell [link], das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung nicht zu ignorieren, sondern auch im zukünftigen politischen Alltag ernst zu nehmen. Schön langsam bekomme auch ich - als Anhänger der “transparency” ein wenig Muffensausen. Hier ist zuviel potentieller Plan hinter den technischen Möglichkeiten, zuviel Geld und zuwenig Recht.
Schade, dass ein schöner Artikel im Feuilleton zum Zustand der Demokratie noch nicht im Netz vorhanden ist. Hier merkt man den großen und gewichtigen Unterschied zwischen Old- und Newschool. Ich könnte fast von Vorenthaltung sprechen. Gott sei Dank habe ich einen Schlüsselsatz aus dem Artikel “Einigkeit und Recht und Wohlstand” abgeschrieben: “… Es führt zur ersten These, dass sich die Staatsform des Westens primär als liberale und soziale, nicht als wohlstandsmehrende Demokratie versteht. Die Hebung des Bildungsniveaus ist der wichtiger als eine materielle Besserstellung. Denn diese könnte lediglich den Konsum steigern, zugleich das Interesse am Gemeinwohl schwächen. Politisch mündige Bürger brauchen jedenfalls materiell nicht viel, ihnen genügt ein elementares Auskommen.” Stimmt. Wie z.B. täglich eine gute Tageszeitung (Wink mit dem Zaunpfahl)! Wo wir gleich noch beim Unibetrieb wären. Auf der gleichen Seite gab es noch einen sehr schönen Artikel [link] zur Publikationswut. Ebenso sehr amüsant (eine Eigenschaft, die ich besonders an der SZ sehr schätze. Pfiffigkeit) mit einem ebenso zitatwürdigem Schlusssatz: “Gleichzeitig scheint die Unterwerfung der Universität unter die Prinzipien der modernen Unternehmensführung zu solchen Mengen an Überflüssigkeit, wenn nicht Ineffizienz zu führen, dass sie die große Erneuerung der deutschen Universitäten im Kern gefährden. Der Versuch, die Vielschreiberei zu bändigen, wird nicht die letzte Reform in der Reform bleiben.” Wenn mich dies nicht an #unibrennt - Forderungen erinnert! Die Seite 1 des Feuilletons der heutigen SZ sollten sich die StudentInnen mit Goldrand versiegeln lassen.
Zum Schluss noch Thriller. Die Gedanken zur Demokratie lassen noch etwas nach Großbritannien schweifen, deren Verfassung ebenso in den Grundfesten wackelt [link] und wenn wir gleich noch dabei sein, ebenso ein sehr schönes Betthupferl zum Thema das Monats “Griechenland” [link].