✝☭

Aus der Wiener Zeitung:

Europäische Firmen dürfen Mitarbeitern das Tragen religiöser Symbole untersagen. Das schließt auch das Tragen eines Kopftuchs ein. Zu diesem Urteil kam am Dienstag der Europäische Gerichtshof (EuGH). Voraussetzung ist aber, dass unternehmensinterne Regeln das sichtbare Tragen jedes „politischen, philosophischen oder religiösen Zeichens“ verbieten.

Abgesehen davon, dass ich diese Entscheidung für nicht besonders klug halte (auch wenn sie juristisch korrekt sein sollte), wollte ich darauf hinweisen, dass im Zuge des unsäglichen Kopftuch-Streits jetzt so ganz schnell auch noch die Politik aus den Betrieben verbannt werden soll. Wie geht das weiter? Ist die Mitgliedschaft bei einer Gewerkschaft ein sichtbares Zeichen politischer Einstellung? Hmm. Merkt Ihr worauf ich hinaus will? Euer Eifer wird ein Boomerang. Ich habe Euch gewarnt.

Chris Dooks – Accretion Disc [2016]

Das Gehör befindet sich in einem kontinuierlichen Wachstum. Es ändert seinen Geschmack und ist sehr lernfähig. Durch meine Mitarbeit beim radia.fm-Netzwerk explodieren meine Lauscher geradezu und das ist ein wahrer Genuss. Hier ein guter Einstieg in Soundart. Englisch. Nett. Ein guter Start. Liebe diese Platte!

Demagogie

Ich bin ein Fan der Aktion von SOS Mitmensch der unter dem Titel „Populistenpause“ firmiert. Ich finde es gut, dass die kalkulierten Hypes nicht mehr mitgetragen werden und hier ein dringend notwendiger Hebel an der Aufmerksamkeitsbremse gezogen wird. Es bleibt für mich jedoch noch ein Problem: Die Populistenpause bedient sich der gegenwärtigen Vorstellung von „Populismus“ und auch vor diesem Hype möchte ich warnen.

Es wird der Begriff „Populismus“ derzeit sehr geschickt dämonisiert und das führt zu einer Unschärfe in der Diskussion, die mir nicht behagt. Da wird der Ausgleich beschworen und betont, dass der „rechte“ als auch der „linke“ Populismus nun die Ursache allen Übels sei. Das ist eine wiederholte Verkehrung der Tatsachen, die natürlich nur passieren kann, weil der Begriff falsch eingesetzt wird. Bleiben wir bei dieser Definition, wird das Wesen unserer Idee von Demokratie per se in Frage gestellt werden, weil wenn wirklich eine Stimme gleich viel zählt, dass muss im demokratischen Meinungsbildungsprozess immer ein „Populist“ gewinnen. Das ist an sich ja auch nicht schlecht.

Das Problem an Trump und Le Pen ist ja nicht, dass sie populär sind, oder dass sie Wähler*innen das Gefühl geben, wieder eine Stimme in der repräsentativen Demokratie zu erhalten. Das Problem an den aktuellen rechten Demagogen ist der Umstand, dass sie nicht halten werden, was sie versprechen und ihre Wahlstimmen nach Strich und Faden betrügen.

Wir sollten kein Problem damit haben, dass ein Establishment in Frage gestellt wird. Wir sollen auch kein Problem damit haben, dass Eliten ausgewechselt werden (come on). Nein, wir sollten ein Problem damit haben, dass die Menschen nicht mehr wissen, wann sie belogen werden und damit, dass es offensichtlich Viele auch nicht mehr interessiert, ob sie belogen werden oder nicht. Ich bin dafür, diese Begriffe besser zu trennen und deswegen ziehe ich keine Populistenbremse, sondern bediene einen Demagogenstop.

P.S. Ein Kommentar im Spiegel schlägt in eine ähnliche Kerbe. Habe ich beim Schreiben des Artikels zufällig entdeckt.

Cat Toren’s HUMAN KIND

Man könnte böse sein und von Retro-Sound sprechen. Das würde dem Ansatz des Albums aber nicht gerecht werden, weil es geht hier um einen Stil, dessen Relevanz noch nicht verblasst ist. Es geht darum, etwas in Erinnerung zu rufen. Ein wunderschönes Stück Jazz. Mein Anspieltip: Soul.